Mongolische Delegation am Institut für Berufsbildung

Eine hochrangige 14 Personen umfassende Ministeriums-Delegation aus der Mongolei besuchte am 5. November 2019 das Institut für Berufsbildung (IBB).

Die Delegation hielt sich zu Studienzwecken in Wien auf. Im Mittelpunkt des Interesses standen das österreichische Berufsschulwesen und die berufsbildenden Schulen. Daher stattete die Delegation sowohl der HTL Wien 10 wie auch der Berufsschule in der Apollogasse einen Besuch ab.

Elisabeth Schön und Reinhard Nöbauer mit der Delegation

In der Mongolei gibt es derzeit das starke Bestreben, wieder ein funktionierendes Berufsbildungssystem aufzubauen. Das System der dualen Ausbildung ist von großem Interesse für die mongolischen Vertreter und Vertreterinnen, die nach ihrem Wiener Aufenthalt ihre Reise nach Deutschland (Magdeburg) fortsetzten und insgesamt fünf Tage unterwegs sein werden.

Das IBB war bei diesem Treffen durch Elisabeth Schön und Georg Jäggle vertreten. Vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) war MinR Mag. Reinhard Nöbauer dabei. Der Besuch der Delegation war Teil einer Europareise, die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH organisiert wurde. Die GIZ implementiert im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) das Entwicklungsprogramm „Kooperative Berufsbildung“ (Cooperative Technical and Vocational Education and Training) in der Mongolei.

Elisabeth Schön (IBB) und Sara Galbaatar (GIZ)
Georg Jäggle (IBB) und Sara Galbaatar (GIZ)
Sara Galbaatar (GIZ), Tseren-Ochir Batdorj (Director of TVETAC) und Elisabeth Schön (IBB)

Text: Jürgen Neckam, Fotos: Georg Jäggle, Reinhard Bauer

Auf ihrer Website schreibt die GIZ zum Projekt „Kooperative Berufsausbildung“ Folgendes:

Ausgangssituation
Aufgrund der hohen Auslandsinvestitionen, die in den mongolischen Bergbausektor fließen, ist die Wirtschaft der Mongolei in den letzten zehn Jahren rapide gewachsen – um bis zu 17 Prozent des BIP. Das größte Hemmnis für weiteres Wachstum ist der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Gleichzeitig herrscht eine besorgniserregend hohe Jugendarbeitslosigkeit: Sie beträgt 18,8 Prozent bei den Männern und 20,2 Prozent bei den Frauen. Die meisten jungen Menschen studieren zudem lieber an einer Universität als ihre berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zu beginnen.

Obwohl die mongolische Regierung in den letzten Jahren viel getan haben, um die Berufsbildung zu verbessern, ist deren Qualität nach wie vor unzureichend. Die Gründe dafür sind unter anderem die fehlende bzw. unzureichende praktische und theoretische Ausbildung der Lehrer, mangelnde Managementfähigkeiten, unzureichende Problemlösungsübungen in der Ausbildung und fehlende Qualitätssicherungsprozesse. Außerdem ist es dringend erforderlich, dass bei der Planung und Umsetzung von beruflichen Bildungsangeboten die Anforderungen der Industrie berücksichtigt werden, denn nur 55 Prozent der Ausbildungsabsolventen finden einen Arbeitsplatz.

Von allen Bildungsbereichen weist der Berufsbildungssektor nach wie vor das niedrigste Finanzierungsniveau auf. Die an die Berufsbildung gestellten Qualitätsanforderungen spiegeln sich also bislang nicht in einer entsprechenden Finanzierung wider, wodurch die Möglichkeiten für weitere Verbesserungen begrenzt sind.

Ziel
Die Wirksamkeit der Berufsbildung im technischen Bereich ist nachhaltig verbessert.

Vorgehensweise
Das Vorhaben „Kooperative Berufsbildung“ (cTVET) baut zur weiteren Förderung einer nachhaltigen Entwicklung des mongolischen Berufsbildungssektors auf den Ergebnissen des Projektes „Kooperative Berufsbildung im Rohstoffsektor“ (TVET) auf, das zwischen 2013 und 2019 durchgeführt wurde.

Das cTVET-Vorhaben unterstützt das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherung bei dem nachhaltigen Aufbau von 7 Capacity-Development-Zentren (CDCs) und bei der Schaffung der entsprechenden Rahmenbedingungen in allen Regionen der Mongolei (West-, Ost-, Zentral- und Süd-Mongolei sowie Ulaanbaatar). Außerdem fördert es die Einführung eines Qualifizierungssystems für die Aus- und Fortbildung von Berufsschullehrern.

Capacity-Development-Zentren
Für eine Berufsbildung, die den Anforderungen der Industrie gerecht wird und die auf internationalen Standards beruht, werden 7 berufsbildende Schulen in Capacity-Development-Zentren (oder auch „Exzellenzzentren“) umgewandelt. Die CDCs sollen hochwertige Ausbildungen in ausgewählten Fachbereichen wie Industriemechanik, Schweißen, Mechatronik, Elektrik/Elektronik, Kfz-Mechatronik, Zimmereiwesen und Bau anbieten und im mongolischen Berufsbildungssystem eine Multiplikator- und Innovationsfunktion erfüllen. Neben hochwertigen Berufsausbildungen sind an den CDCs auch Bildungsangebote für Lehrer anderer berufsbildender Schulen, Weiterbildungen für Industriearbeiter und Kurzzeitschulungen für Arbeitssuchende geplant. Außerdem sollen dort Kompetenzfeststellungen sowie Vorbereitungskurse für die Teilnehmer der Berufsweltmeisterschaft WorldSkills stattfinden. Die Lehrer und die Managementmitarbeiter der CDCs werden dafür von internationalen Entwicklungsberatern geschult, gecoacht und beraten.

Damit die berufsbildenden Schulen ihre Funktionen als CDCs erfüllen können, ist zudem ein systematischer Aufbau der Organisationskapazitäten erforderlich. Das Projekt fördert daher die Einführung von effektiven Qualitätsmanagementverfahren sowie von unterstützenden digitalen Lösungen, soweit dies sinnvoll ist. Das Ziel dieser Digitalisierungsmaßnahmen sind ein besserer professioneller Austausch zwischen den CDCs und eine breitere Anwendung von modernen Schulungskonzepten und digitalen Medien.

Ein weiteres Beratungsfeld betrifft die Effizienz der Mittelverwendung in den CDCs sowie den Regulierungsrahmen für die Verankerung der Zentren im mongolischen Berufsbildungssystem. Das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherung und die CDCs werden dabei unterstützt, die tatsächlichen Kosten für hochwertige Ausbildungen zu berechnen und nachhaltige Finanzierungmechanismen für die CDCs auszuarbeiten. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Regulierung von Einkommensmöglichkeiten für eine kontinuierliche Verbesserung der Ausbildungsqualität. Gleichzeitig werden bei den beteiligten Akteuren die Voraussetzungen für eine bedarfsorientierte Mittelvergabe bzw. eine wirksamere und effizientere Verwendung der zur Verfügung stehenden Ressourcen geschaffen.

Lehreraus- und -fortbildung
Kompetente und motivierte Lehrer sind der Schlüssel zu einer hochwertigen Berufsbildung. Daher wird durch systematische Fortbildung sichergestellt, dass die Lehrer der CDCs und anderer berufsbildender Schulen sowohl ihre praktischen beruflichen Fähigkeiten als auch ihre pädagogischen und didaktischen Kompetenzen verbessern. Zusätzlich soll durch Qualifizierungsmaßnahmen für betriebliche Ausbilder die Qualität der Unternehmenspraktika steigen, die die Auszubildenden neben dem Unterricht an den CDCs absolvieren. Das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherung wird dabei unterstützt, ein systematisches und institutionell verankertes Qualifizierungssystem für die Aus- und Fortbildung von Berufsschullehrern auszuarbeiten. In einem ersten Schritt ist die Pilotierung der neu entwickelten Qualifizierungsangebote geplant. Wenn die Fachkräfte im Berufsbildungssektor bessere, praxisorientierte Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten haben und den berufsbildenden Schulen stets ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht, wird sich die Qualität der Berufsbildung verbessern.

Quelle: Kooperative Berufsbildung | Cooperative Technical and Vocational Education and Training. Abgerufen am 9. November 2019, von https://www.giz.de/projektdaten/projects.action?request_locale=de_DE&pn=201821206.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.